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德语:“日本人优先!”这个亚洲模范国家突然对外国人抱有敌意

日本将于周日举行提前大选——距离首相高市早苗就职仅四个月。高市早苗因其对地缘政治对手兼邻国中国的强硬立场而意外地受欢迎。

日本将于周日举行提前大选——距离首相高市早苗就职仅四个月。高市早苗因其对地缘政治对手兼邻国中国的强硬立场而意外地受欢迎。她打算借此机会巩固其领导的自民党在国会地位。

此次选举充满争议。右翼领导人高市早苗被指责利用提前大选将个人权力利益置于国家利益之上。日本国会既未通过从四月开始的财政年度国家预算,也未对64岁的高市早苗在去年十月宣布的大部分政策措施进行审议:她承诺控制通货膨胀并提高民众收入。

但这并非此次选举的重点。此次选举的焦点在于一群甚至没有投票权的人:外国人。 “外国人问题”是一个经常被讨论的话题:据说外国人不遵守规则,不支付医疗费用,经常参与犯罪活动,并且难以融入社会。高市的自民党认为,鉴于新来者违反规则,必须采取行动解决这个问题。

自由派反对党——由立宪民主党和公明党组成的联盟——以“共存”为竞选纲领,而大多数政党则提出了不同的承诺:极右翼的三成党希望剥夺外国父母在日本出生的子女投票权;支持自民党政府的右翼维新会则呼吁限制移民数量;自民党的竞选纲领甚至包括禁止外国人购买房产。

玛丽·阮试图不去理会这些言论。这位越南妇女在东京西部的一家咖啡馆里说,“社会已经很清楚地表明,外国人在这里更像是客人。”化名玛丽·阮的她在日本生活了十二年,日语流利,就职于一家帮助外国人融入当地社会并安排他们就业的公司。她神情沮丧地说,“这往往并不容易。”

阮的客户大多来自东南亚,他们在建筑工地、医院或超市工作。他们经常反映遭受歧视。“他们有时不得不无偿加班,搬运重物等等。” 而他们往往缺乏感激之情。尽管日本人口不断减少,正面临严重的劳动力短缺,而且拥有外国血统的人口比例仅为3%。这究竟是怎么回事?

面住俊弘试图寻找答案,然后叹了口气。“针对外国人的宣传声势越来越大了!”他感叹道。多年来,面住俊弘一直担任日本国际交流中心的主席,该中心致力于在各个层面促进日本与世界的融合。 “现在的政治路线让日本许多迫切需要的事情变得更加困难!”

一月底,门珠出版了一本书,书名可译为《一个拥有千万外国人的时代》。门珠对这本书的论点解释如下:“我们目前正走向外国人数量快速增长的时代。如果我们不这样做,日本将面临巨大的问题。我们的社会将失去运转。”因此,我们需要更多的外国人。否则,超市很快就会倒闭,医院会运转不畅,餐馆将无法继续营业。等等等等。

十年前,日本当时的右翼自民党政府也意识到了这一点。时任首相安倍晋三将经济增长放在首位,推动通过了一项放宽移民规定的法案。自那以后,外国人的数量确实增加了。但与此同时,针对外国人的民粹主义也随之兴起。“右翼民粹主义势力喜欢拿欧洲所谓的移民混乱说事,”门珠摇着头说。 “他们只字不提欧洲从移民中获益多少。”

相反,讨论的焦点却集中在一些缺乏事实依据的话题上。例如,经常有人声称外国人不支付医疗费用,但根据政府统计数据,这种说法并不属实。暗示外国人犯罪率更高也是错误的。

这种印象从何而来?面树敏博认为经济形势是原因:“鉴于人口趋势,日本的平均收入已经30年没有增长了。”由于日元疲软,日本现在正遭受输入性通货膨胀的困扰,实际收入正在下降。雪上加霜的是,旅游业的繁荣也得益于日元疲软。结果,游客的购买力往往远高于日本公民。门珠说,“很多人因此感到处于不利地位。”而这正在加剧民众的愤怒。

玛丽·阮密切关注着这些事态发展,并对此感到担忧。她并不感到人身安全受到威胁,但她确实感到自己不再受欢迎。而且,最近外国人来日本的兴趣略有下降。“过去几年,越来越多的人想来日本,并寻求我们的服务。现在,来日本的人大多不仅仅是为了追求尽可能高的收入,”而且也热爱日本文化。

因此,潜在客户群正在萎缩。如果这种趋势持续下去,日本的劳动力短缺问题将会更加严重。招聘广告已经遍布全国各地,从咖啡馆的招工启事,到商务邮件的签名,甚至地铁车厢里都能看到它们的身影。劳动力短缺是日本经济增长的最大障碍。

近期民调显示,高市早苗及其领导的自民党将在周日的选举中获胜。面住俊弘认为,如果高市早苗胜选,她将不得不在两项政治承诺中做出选择:要么限制移民,要么振兴日本停滞不前的经济。“但我不可能两者兼顾。”

Am Sonntag finden in Japan vorgezogene Wahlen statt – nur vier Monate, nachdem Premierministerin Sanae Takaichi ihr Amt angetreten hat. Takaichi ist wegen ihrer aneckenden Art gegenüber dem geopolitischen Rivalen und Nachbarn China überraschend beliebt. Sie will die Gunst der Stunde nutzen, um ihre LDP im Parlament zu stärken.

Am Sonntag finden in Japan vorgezogene Wahlen statt – nur vier Monate, nachdem Premierministerin Sanae Takaichi ihr Amt angetreten hat. Takaichi ist wegen ihrer aneckenden Art gegenüber dem geopolitischen Rivalen und Nachbarn China überraschend beliebt. Sie will die Gunst der Stunde nutzen, um ihre LDP im Parlament zu stärken.

Die Wahl ist umstritten. Der rechtsgerichteten Takaichi wird vorgeworfen, mit den Neuwahlen ihre eigenen Machtinteressen über die Interessen des Landes zu stellen. Japans Parlament hat aktuell weder einen Staatshaushalt für das im April startende Finanzjahr beschlossen noch das Gros der Vorhaben adressiert, die die 64-jährige Takaichi im Oktober angekündigt hatte: Eine Kontrolle der Inflation hat sie versprochen und höhere Einkommen für viele Menschen.

Doch darum geht es in diesem Wahlkampf weniger. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Menschen, die gar nicht wählen darf: Ausländer. Vom „gaikokujin mondai“, dem „Ausländerproblem“, ist oft die Rede: Leute aus dem Ausland hielten sich nicht an Regeln, bezahlten Krankenrechnungen nicht, seien oft kriminell, integrierten sich nicht. Jetzt müsse endlich dagegen vorgegangen werden, so Takaichis LDP gegenüber Zugezogenen, die Regeln brechen.

Während die liberale Opposition – eine Allianz der Verfassungsdemokratischen Partei und der buddhistischen Komeito – im Wahlkampf mit „Koexistenz“ wirbt, verspricht ein Großteil der Parteien etwas anderes: Die rechtsradikale Sanseito will in Japan geborenen Kindern von Ausländern kein Wahlrecht geben. Die rechte Partei Ishin no Kai, die die LDP-Regierung stützt, fordert eine Immigrationsobergrenze. Die LDP wirbt damit, dass Ausländer keine Immobilien mehr kaufen dürfen.

Mary Nguyen versucht, nicht hinzuhören. „Die Gesellschaft macht eben sehr klar, dass Ausländer hier eher Gäste sind“, sagt die Vietnamesin in einem Café im Westen Tokios. Mary Nguyen, die in Wahrheit anders heißt, lebt seit zwölf Jahren in Japan, spricht fließend Japanisch, arbeitet für einen Betrieb, der Personen aus dem Ausland integriert und an Unternehmen vermittelt. „Es ist oft nicht leicht“, sagt sie und sieht angefasst aus.

Nguyens Klienten – meist Menschen aus Südostasien, die dann auf Baustellen, in Krankenhäusern oder Supermärkten arbeiten – berichteten oft von Diskriminierung. „Sie müssen manchmal unbezahlte Überstunden machen, schwere Lasten schleppen und so weiter.“ Der Dank falle oft spärlich aus. Und das, obwohl es im demografisch schrumpfenden Japan akut an Arbeitskräften mangelt. Und der Bevölkerungsanteil von Menschen mit ausländischen Wurzeln nur bei drei Prozent liegt. Was ist da los?

Toshihiro Menju sucht nach Antworten und seufzt. „Die Propaganda gegen die Menschen aus dem Ausland ist so laut geworden!“, stellt er fest. Menju war jahrelang Vorsitzender des Japanischen Zentrums für Internationalen Austausch, das sich auf diversen Ebenen um die Verzahnung Japans mit der Welt bemüht. „Im Moment macht der politische Kurs vieles von dem, was Japan gerade dringend bräuchte, deutlich schwieriger!“

Ende Januar hat Menju ein Buch veröffentlicht, dessen Titel sich mit „Eine Ära mit zehn Millionen Ausländern im Land“ übersetzen lässt. Die These des Buchs erklärt Menju so: „Wir steuern aktuell auf eine rasche Zunahme von Menschen aus dem Ausland zu. Und wenn wir dies nicht tun, wird Japan riesige Probleme bekommen. Unsere Gesellschaft würde dysfunktional werden.“ Noch viel mehr Ausländer seien also notwendig. Sonst müssten bald Supermärkte zubleiben, Krankenhäuser würden stottern, Restaurants könnten kein Essen mehr zubereiten. Und vieles mehr.

Vor einem Jahrzehnt hatte Japans auch damals rechtsgerichtete LDP-Regierung dies auch erkannt. Als der damalige Premierminister Shinzo Abe Wirtschaftswachstum priorisierte, brachte er ein Gesetz zur Lockerung der Einwanderungsregeln durchs Parlament. Seither steigt die Zahl der Menschen aus dem Ausland. Aber mit ihnen wuchs auch der Populismus gegen sie. „Rechtspopulistische Kräfte weisen gerne auf ein angebliches Immigrationschaos in Europa hin“, berichtet Menju und schüttelt den Kopf. „Wie sehr Europa von Immigration profitiert, sagen sie nicht.“

Stattdessen wird über Themen diskutiert, denen eine faktische Grundlage fehlt. Die oft zu hörende Behauptung, Ausländer zahlten ihre Rechnungen für Krankenbehandlungen nicht, geht laut Regierungsstatistiken an der Wahrheit vorbei. Ebenso die Unterstellung, Ausländer begingen mehr Straftaten.

Woher kommt dieser Eindruck? Toshihiro Menju nennt die wirtschaftliche Lage als Grund: „In Japan sind angesichts der demografischen Entwicklung die Durchschnittseinkommen seit 30 Jahren nicht gestiegen.“ Wegen des schwachen Yens leidet das Land nun an importierter Inflation. Die Realeinkommen sinken. Hinzu kommt ein Tourismusboom, auch geprägt vom schwachen Yen. So haben Touristen aktuell oft deutlich mehr Kaufkraft als Japaner. „Da fühlen sich viele Leute benachteiligt“, so Menju. Und dies schürt Wut.

Mary Nguyen beobachtet diese Entwicklungen genau, und sie machen ihr Sorgen. Körperlich in Gefahr fühle sie sich deshalb nicht, weniger willkommen aber schon. Und das Interesse aus dem Ausland, nach Japan zu kommen, sei zuletzt leicht zurückgegangen. „Über die vergangenen Jahre wurden es immer mehr Menschen, die nach Japan wollten und unsere Dienste anfragten. Jetzt sind es eher noch diejenigen, die nicht nur für ein möglichst gutes Einkommen ins Land wollen“, sondern auch die japanische Kultur lieben.

Das Kundenpotenzial schrumpft also. Und sollte sich dieser Trend fortsetzen, so wird in Japan der Arbeitskräftemangel weiter steigen. Bereits jetzt sind überall im Land Arbeitsangebote zu finden. Sie liegen in Cafés aus, die Personal suchen, finden sich in Signaturen geschäftlich versendeter E-Mails und in Waggons von U-Bahnen. Der Arbeitskräftemangel ist Japans größte Wachstumsbremse.

Jüngste Umfragen zeigen, dass Sanae Takaichi und ihre LDP die Wahl am Sonntag gewinnen werden. Toshihiro Menju glaubt, dass sich eine siegreiche Takaichi dann zwischen einem ihrer zwei politischen Versprechen wird entscheiden müssen: Entweder eine Drosselung der Einwanderung oder eine Stärkung der stagnierenden japanischen Volkswirtschaft. „Aber beides wird nicht gehen.“